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Aus tiefster Brust

von OSWALD BEAUJEAN
31.10.2002

Beethoven hält einiges aus - auch darin liegt seine Größe. Nehmen wir beispielsweise sein Violinkonzert. Man kann es versäuseln, zerdehnen und mit ersterbend hingehauchten Phrasierungen zur Süßspeise verkleben - so wie es uns jetzt gerade zum (Anne-Sophie-)Mutter-Tag von der Deutschen Grammophon (DG 471 349) präsentiert wird. Jedes andere Stück wäre ruiniert, aber bei Beethoven lassen noch die schlimmsten Auswüchse übersteigerter Interpretensubjektivität erahnen, dass es sich da eigentlich um große Musik handelt.

Man kann Beethoven natürlich auch ganz anders spielen - zum Beispiel so wie das 1991 gegründete, aber immer noch junge Trio Jean Paul (Ars Musici 1335). Ein Original-Klang-Ensemble glaubt man in den ersten Takten des G-Dur-Trios op.1, Nr.2 zu hören, so schlank und biegsam ist die Tongebung der Musiker, so lebendig, klug und sprechend wird da phrasiert. Beethovens Klaviertrio fast aus barocker Perspektive, als affektgeladene Klangrede, als mal hinreißend witziger, mal anrührender, immer jedoch durchdachter Dialog. Jenes berühmte Zitat, nach dem der junge Beethoven in Wien "Mozarts Geist aus Haydns Händen" empfangen sollte, wird hier - und überraschenderweise kaum weniger im wesentlich späteren Es-Dur-Trio op.70, Nr.2 - wirklich klingendes Vermächtnis.

Eine Verkürzung vielleicht, gar die Verkleinerung des "Heroen" Beethoven? Mitnichten. Wohl von ihren Mentoren Nikolaus Harnoncourt und Roger Norrington haben Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Cello) gelernt, wie sich die Reduktion der Mittel in gesteigerte Ausdrucksintensität verwandeln lässt. Den langsamen Satz des frühen Trios - Largo con espressione - machen die drei zum unendlich zarten, selbstversunken keuschen Gesang. Romantische Sehnsucht pur, aber ohne den leisesten Anflug von Sentimentalität, in Worte zu fassen vielleicht am treffendsten mit jenen Schlußsätzen aus Jean Pauls Roman Flegeljahre, in denen der lyrisch verträumte Walt Töne als "heilige, aber furchtbare, fast aus der tiefsten Brust und Ewigkeit gezogene Laute" beschreibt. 1998 brachte das Trio Jean Paul in intelligenter dramaturgischer Kombination Robert Schumanns Klaviertrios und Wolfgang Rihms Fremde Szenen heraus. Schon damals ließ sich ein fantastisches Ensemble entdecken. Und nun wird auch ihr Beethoven zu einer Entdeckung.

 

 

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There is this exuberant, flourishing and silver-tongued sound, there is this enormous homogeneity of the musical action, there is this stupendous virtuosity of all participants, which is always based on sustainable mental work.

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