Sie musizieren unter einem glücklichen Stern
Das Trio Jean Paul im Basler Stadtcasinovon KLAUS SCHWEIZER
19.03.2003
Vor dem Konzert noch massnehmendes Hineinhören in die lange nicht mehr gehörten Beethoven-Aufnahmen des damals so jungen, so leidenschaftlichen Trios Zukerman - du Pré - Barenboim. Zunächst leise, dann gesteigerte Enttäuschung beim Es-Dur-Trio, op. 70, Nummer 2. Die einleitenden poco sostenuto-Takte ersticken in Feierlichkeit, das Allegro gibt sich dagegen brav, fast biedermeierlich, verdächtige Harmlosigkeit auch im hintergründigen Allegretto, im gemütlich eingerichteten Finale. Sollten sich hier drei Solitäre auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt haben?
Dann ins Stadtcasino, in den Konzertabend mit dem «Trio Jean Paul». Erleichterung, dann Staunen, schließlich Begeisterung, offenbar im Einklang mit dem lebhaft angesprochenen Publikum der «Solistenabende». Kann ein Werk, trotz dreier Jahrzehnte Abstand, so grundverschieden begriffen werden? Jetzt korrespondieren die Tempi, die Charaktere miteinander. Gleich agierenden Personen treten die Themen ins Spiel. In lebendiger Szenenfolge präsentieren, ereifern und besänftigen sie sich. Die beiden (hier wesensverschiedenen!) Allegretto-Mittelsätze offenbaren Stolperstellen, ja Abgründe. Als Kabinettstück voller Überraschungen und Täuschungsmanöver inszenieren die drei Musiker schliesslich das fulminante Finale. Virtuos nutzen sie die gesamte Palette artikulatorischer Feinheiten. Gleich überzeugungswilligen Rhetoren operieren sie mit ausdruckssteigernden Dehnungen, Akzenten und Färbungen. Ihr stupendes Zusammenspiel verrät Konsens, nicht Dressur.
Seit 1991 musizieren die aus dem norddeutschen Raum stammenden Kammermusiker zusammen. Den Stern von Schumanns literarischem Gott Jean Paul wollten auch sie über ihrem künstlerischen Tun leuchten lassen. Mittlerweile liegen ihre beruflichen Zentren in Zürich (Eckart Heiligers, Klavier), Hannover (Ulf Schneider, Violine) und Berlin (Martin Löhr, Cello).
Haydns fis-Moll-Trio sollte kaum als «Auftakt dienen», sondern als Plädoyer für ein überraschend herb getöntes, kaum nur unterhaltsam gemeintes Exempel aus einer stattlichen Werkgruppe. Neue Seiten an Schönbergs Streichsextett «Verklärte Nacht» offenbarte die 1932 gefertigte, aber erst 1979 publizierte Trio-Bearbeitung durch Eduard Steuermann, den hochkarätigen «Hauspianisten» der «Wiener Schule». Unter den Händen der subtil gestaltenden Musiker erstand dieses (auf einem Dehmel-Gedicht basierende) Nachtgespräch zwischen Mann und Frau als ausdrucksstarke Dialogszene twischen Violine und Cello, getragen vom sinfonisch behandelten Klavier. Kein schwächliches Arrangement galt es hier schätzen zu lernen, sondern eine sinnfällige Alternative zum Original.






