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Hannoversche Allgemeine Zeitung - 2002

Spektakulär unspektakulär
Das Trio Jean Paul im Kleinen Sendesaal des NDR
von GÜNTHER HELMS
10.03.2002

 

Statt Kompositionen von Brahms, Janácek und Bartók ertönten Rihm, Beethoven und Schumann. Statt an Streichquartettklängen konnten sich die Zuhörer im Kleinen Sendesaal des NDR Hannover an Klaviertrios erfreuen. Nur selten wird "Ersatz" zu einem derartigen Glücksfall. Das Zehetmair-Quartett musste aus Krankheitsgründen passen, die drei Musiker des Trios Jean Paul stellten sich kurzfristig für das Konzert im Ring B des NDR (Kammerkonzerte und Liederabende) zur Verfügung - und nahmen den Kleinen Sendesaal sofort mit einem Überraschungscoup. Denn Eckart Heiligers (Klavier), Ulf Schneider (Violine) und Martin Löhr (Violoncello) begannen nicht - wie angekündigt - mit Beethovens Es-Dur Trio op.70 Nr.2, sondern starteten vieldeutig und vielsagend mit einem Jubiliar: Mit Wolfgang Rihm und dessen "Fremde Szene III" - anlässlich dessen diesjährigem 50.Geburtstag ein wichtiger Hinweis auf eine der Galionsfiguren der deutschen Komponistenszene.

Dabei hielt das Trio Jean Paul nicht nur Rihm, sondern auch dem Romantiker Schumann (dessen Trio Nr.1 d-moll den Abend beschloss) den Spiegel vor, quasi als Begegnung zweier Individualisten. Denn Rihm trifft mit seinen Tönen auch Schumann, absorbiert dessen Zerrissenheit und wildert dennoch nicht in fremden Gefilden. Und Schumanns leidenschaftliche Romantik? Diese bleibt nicht ohne Einfluss auf Rihms kompositorischen Pluralismus, auf den Esprit und manche überraschenden Wendungen in der "Fremden Szene III".

Schließlich platzierten die drei "Jean Paul"-Musiker dazwischen Beethovens Es-Dur Trio: Dessen Verspieltheit, Zartheit und rhythmischer Schwung wirkten hier umso nachhaltiger als kleiner Kunstgriff zum Brückenbau zwischen dem nur scheinbaren Antipoden Rihm und Schumann. Eckart Heiligers, Ulf Schneider und Martin Löhr präsentierten dies alles nicht nur hochintelligent, sondern geradezu spektakulär unspektakulär.

Denn Temperament und Gelassenheit, Detailliebe und Klangbreite, Farbigkeit und Kongruenz stimmen in diesem Kammermusikensemble exzellent überein. Damit wird, wiederum ganz unspektakulär, die eine oder andere Gelegenheitsformation berühmter Musiker überzeugend ausgespielt.

 

 

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