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Start Archive Articles/Interviews Der andere Beethoven
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Der "andere" Beethoven

CD-Einführungstext von MARTIN LÖHR
zu den Trios op.1/2 und op.70/2

 

Die zwei auf dieser CD vereinten Klaviertrios op. 1, Nr.2 und op. 70, Nr.2 von Beethoven verbindet das Schicksal, im allgemeinen Konzertbetrieb ein eher stiefmütterliches Dasein zu fristen.

Beide haben es meist schwer, sich gegen ihre jeweiligen Geschwisterwerke zu behaupten. Im Falle von op. 70 hat das berühmte Geistertrio op. 70, Nr.1 mit seiner dramatischen Grundanlage und nicht zuletzt mit seinem namengebenden, wirklich revolutionären langsamen Satz im Rennen um die Publikumsgunst eindeutig die Nase vorn.

Bei der Trias op. 1  ist es vor allem das c-moll Trio Nr.3, dessen trotzig-energischer Charakter dem allgemeinen Beethovenbild und damit auch der Hörerwartung am meisten zu entsprechen scheint. Sicherlich ist Beethoven unter den Tonsetzern seiner Zeit derjenige, der das Subjekt, das Ich und seine Konflikte am radikalsten in das Zentrum seiner künstlerischen Aussage gerückt, und damit das Tor zur Romantik am weitesten aufgestoßen hat. (Im Gegensatz zur heutigen Zeit wurde Beethovens Musik bei seinen Zeitgenossen als romantisch aufgenommen, wie die ebenso scharfsinnige wie poetische Rezension E.T.A. Hoffmanns der Trios op. 70 (1813) anschaulich zeigt.) Sein Werk ausschließlich unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten, wird der Vielschichtigkeit seiner Person allerdings kaum gerecht.

Den beiden Trios dieser Aufnahme liegt ein Charakterzug zugrunde, der dem heroisch-revolutionären Beethovenstil geradezu diametral entgegengesetzt erscheint: das Element des Spielerischen. An die Stelle des existentiellen Ringens tritt ein oft an Joseph Haydn gemahnender Erzählstil, ein ständiges Spiel zwischen äußerlicher Erfüllung von tradierten Normen und spielerischer Enttäuschung der dadurch erzeugten Hörerwartungshaltung. Entsprechend steht auch ein dialogisierender, sprachhafter Duktus im Vordergrund, die Mittel der traditionellen Klangrede mit all ihren rhetorischen Ausdrucksmöglichkeiten werden voll ausgeschöpft. Jedoch wird der Blick nicht nur rückwärts gewandt, im Spiel sind auch Einbrüche von nie Gehörtem, nie Dagewesenem möglich, das Geheimnisvolle steht unvermittelt neben dem Vertrauten.

So folgt im G-Dur Trio op. 1, Nr.2 auf den übermütig kecken, verspielten 1.Satz, der brillant alle rhetorischen Register musikalischen Humors zieht, ein an Innigkeit, Tiefsinn und persönlichster Aussage kaum zu überbietender langsamer Satz (Largo con espressione). Beethoven gibt hier zum ersten und einzigen Male im gesamten Opus 1 das übliche Muster der Tonartenbeziehungen auf und entführt uns unvermutet in das fernliegende, romantische E-Dur. Wie eine Vision einer anderen Welt steht dieser Satz nicht nur im Zentrum des Werkes, sondern auch des gesamten Zyklus. Den Höhenflug dieses Largos balanciert Beethoven mit dem darauf folgenden Scherzo, einem absichtsvoll einfach gehaltenen, eher ruhigen Menuett geschickt aus und führt den Hörer so sanft in die Realität zurück. Das Finale (Presto) ist mit seinem sowohl brilliant-virtuosen, als auch theatralischen Haydnschen Witz wieder ganz diesseitig ausgerichtet. Wie Figuren der Commedia dell´ Arte ziehen die Charaktere auf einer imaginären Bühne vorüber, eine aberwitzige Pointe jagt die nächste - der Einbruch des 2. Satzes verbleibt nurmehr eine ferne Erinnerung.



 

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There is this exuberant, flourishing and silver-tongued sound, there is this enormous homogeneity of the musical action, there is this stupendous virtuosity of all participants, which is always based on sustainable mental work.

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