Neue CDs | 18.09.2009 16:30 Uhr
Trio Jean Paul spielt Mendelssohn
Mendelssohn: Klaviertrios 1 und 2
CHANTAL NASTASI im Gespräch mit EVA-MARIA-SCHRAMM
Eva-Maria Schramm: Chantal Nastasi, Sie haben die Aufnahme gehört. Die Kombination der beiden Trios auf einer CD ist ja recht beliebt. Und gerade das Mendelssohn-Jahr 2009 hat uns schon einige neu Mendelssohn-Aufnahmen beschert. Kann uns dieser Beitrag des Jean Paul Trios tatsächlich noch einmal vom Hocker reißen?
Chantal Nastasi: So wie das Jean Paul Trio spielt, in jedem Fall. Es ist unglaublich frisch und mitreißend, wie die drei Männer Mendelssohn interpretieren. Mendelssohn verbindet man eher mit schönen Kantilenen, mit weich dahinfließenden Melodien. Man kann sagen, dass er im Vergleich zu Brahms, der ja viel mehr als er, als Sohn Norddeutschlands, insbesondere Hamburgs, gesehen wird, eine Art Schattendasein fristet. Mendelssohn ist mehr der sanfte, schön tönende Romantiker, weniger der Komponist der gegensätzlichen Gefühle und hoch dramatischen Momente. Doch das Jean Paul Trio macht aus diesen beiden Mendelssohn-Trios ein Brahmsches Feuerwerk, eine Musik mit Ecken und Kanten, mit wirklich überraschenden Momenten. Das sind Momente, die einen beim Zuhören geradezu überfallen: die starken Kontraste in Stimmung und Dynamik.
Schramm: Aber wenn man mal ganz kritisch draufguckt: Misshandelt das Jean Paul Trio Mendelssohn vielleicht ein bisschen, um aus ihm einen wirkungsvolleren Brahms zu machen?
Nastasi: Wenn man in erster Linie an die Lieder ohne Worte denkt, hat man doch mehr diese wunderschön schlichten Melodien im Ohr, ähnlich wie auch das Thema des zweiten Satzes aus dem ersten Trio, das die drei Jean Pauls wunderschön kantabel und intim musizieren mit fein zusammenfassten Melodiebögen und kleinen, ganz natürlichen Verzögerungen. Aber gerade in den beiden Mendelssohn-Trios steckt viel brennende Leidenschaft. Und die holt das Jean Paul Trio auch heraus - manchmal schon recht überzeichnet. Es ist natürlich eine Interpretationsfrage, man kann diese Trios sicherlich auch viel ruhiger nehmen, die Akzente in virtuosen Läufen weniger eckig betonen, weniger große und abrupte Wechsel in der Dynamik machen, aber das alles steckt in der Musik drin. Und das macht diese Interpretation auch so mitreißend und fesselnd. Gute Kammermusik, ein echter Hinhörer.




